Finkenberg: notwendige Straßen-Sanierung, vertane Chance beim Radverkehr

Finkenberg: notwendige Straßen-Sanierung, vertane Chance beim Radverkehr

Die Straße „Finkenberg“ muss grundlegend erneuert werden. Daran besteht kein Zweifel. Sie ist mindestens 50 Jahre alt, baulich unzureichend und nach Einschätzung der Verwaltung nicht mehr mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln instand zu setzen.

Zugleich ist sie weit mehr als eine gewöhnliche Verbindungsstraße. Sie erschließt Teile des Gewerbegebietes und dient als zentrale Zufahrt zur Gesamtschule Eifel mit rund 1.000 Schüler:innen. Direkt daneben liegt der Jugendhof Finkenberg mit 153 Betten. Die Strecke wird damit täglich von Kindern, Jugendlichen, Eltern, Beschäftigten, Gästen, Bussen und Lieferverkehren genutzt.

Die Sanierung ist notwendig. Die vorgestellte Planung bleibt aus unserer Sicht dennoch unvollständig.

Der Radweg endet vor dem entscheidenden Abschnitt

Im Bereich des Gewerbegebietes ist ein Radweg vorgesehen. Dieser soll jedoch am Ende des Gewerbegebietes enden. Auf dem anschließenden rund 1,4 Kilometer langen außerörtlichen Abschnitt bis zur Gesamtschule und zum Jugendhof sollen sich Fahrräder, Autos und Busse dieselbe Fahrbahn teilen.

Gleichzeitig ist dort eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde vorgesehen.

Genau das halten wir für problematisch. Der Radweg endet nicht an einem unbedeutenden Abschnitt, sondern ausgerechnet vor der Verbindung zu zwei großen Bildungs- und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Wer mit dem Fahrrad zur Schule, zu einer Veranstaltung oder zum Jugendhof fahren möchte, muss den geschützten Bereich verlassen und sich anschließend die Fahrbahn mit deutlich schnelleren Fahrzeugen teilen.
Aus unserer Sicht ist das weder zeitgemäß noch verantwortbar.

Eine Straße für 50 Jahre braucht eine zukunftsfähige Planung

Nach Angaben der Verwaltung soll die erneuerte Straße mindestens weitere 50 Jahre den Anforderungen standhalten. Gerade deshalb ist es so wichtig, nicht nur den heutigen Autoverkehr zu betrachten. Eine Investition für mehrere Jahrzehnte muss auch berücksichtigen, wie Mobilität künftig sicherer, klimaverträglicher und vielfältiger organisiert werden kann.

Auch im ländlichen Raum gewinnt der Radverkehr an Bedeutung. E-Bikes und Pedelecs machen längere Strecken und Steigungen leichter bewältigbar. Verbindungen zwischen Wohnorten, Schulen, Gewerbegebieten und Freizeiteinrichtungen werden dadurch attraktiver.

Ein Radweg ist dabei nur so gut wie seine Durchgängigkeit. Endet er plötzlich, wird das Sicherheitsproblem nicht gelöst, sondern lediglich verlagert. Gute Radverkehrsplanung muss deshalb in vollständigen Verbindungen denken.

Anspruch und Wirklichkeit

Blankenheim wirbt mit dem „Rad-Wander-Erlebnis“ und möchte als attraktive Tourismus- und Freizeitgemeinde wahrgenommen werden. Dieser Anspruch darf sich nicht auf Broschüren und touristische Rundwege beschränken. Er muss auch in der alltäglichen Infrastruktur sichtbar werden.

Wer für das Radfahren wirbt, muss sichere Verbindungen zu Schulen, Ortslagen, Gewerbegebieten und Freizeiteinrichtungen schaffen. Ein Radweg, der ausgerechnet vor einem entscheidenden Streckenabschnitt endet, passt nicht zu diesem Anspruch.

Warum wir trotzdem zugestimmt haben

Trotz unserer deutlichen Kritik haben wir der Beschlussvorlage im Rat der Gemeinde Blankenheim am 16. Juli 2026 zugestimmt.

Der Grund liegt in einer schwierigen Abwägung. Für die Erneuerung der Straße ist eine Förderung in Höhe von 70 Prozent vorgesehen. Eine grundlegende Überarbeitung der Planung könnte zu erheblichen Verzögerungen führen und damit die Förderung gefährden. Ein Verlust dieser Mittel würde den Gemeindehaushalt stark belasten und könnte die dringend notwendige Sanierung weiter verzögern.

Wir haben uns deshalb nach sorgfältiger Abwägung für die Zustimmung entschieden. Nicht, weil uns die Planung überzeugt. Sondern weil die Sanierung notwendig ist und die Förderung nicht gefährdet werden soll. Unsere Zustimmung ändert nichts an unserer Kritik. Der fehlende durchgängige Radweg bleibt eine vertane Chance und ein deutlicher Mangel dieser Planung.

Eine Straße für die nächsten 50 Jahre sollte nicht nach den Maßstäben der vergangenen 50 Jahre gebaut werden.

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