Was die Rallye „Um den Preis der Ahrquelle“ über Klimaschutz, Kultur und kommunale Prioritäten erzählt
Die Rallye „Um den Preis der Ahrquelle“ löst auch innerhalb unserer Partei unterschiedliche Reaktionen aus. Das ist kein Mangel, sondern ein Anlass, genauer hinzusehen und die eigentliche Frage klarer zu stellen.
Denn diese Frage lautet nicht, ob man sich an historischen Fahrzeugen erfreuen darf oder wie wir zu alter Technik stehen. Sie lautet: Ist es in Zeiten der Klimakrise noch selbstverständlich, dass eine größere Zahl emissionsstarker Fahrzeuge als reine Freizeitveranstaltung mehrere hundert Kilometer durch die Eifel fährt und dass eine Gemeinde diese Veranstaltung als touristische Bühne sichtbar macht und bewirbt?
Welches Profil und welche Mobilität
Damit verbindet sich eine berechtigte Frage an Blankenheim selbst: Welches Bild möchte der Ort von sich vermitteln? Blankenheim wirbt mit Natur, Ruhe, Wandern und Radfahren. Viele Gäste kommen gerade deshalb in die Eifel. In einer Region, die mit dem Nürburgring bereits einen überregionalen Motorsport-Anziehungspunkt besitzt, ist die Frage nach dem eigenen Profil nicht nebensächlich. Das richtet sich nicht gegen Gastronomie oder Beherbergung – im Gegenteil. Aber gerade weil der Tourismus wichtig ist, sollte nicht allein auf kurzfristige Übernachtungszahlen geschaut werden. Entscheidend ist, ob eine Veranstaltung zur Identität und zur nachhaltigen Entwicklung des Ortes passt.
Die ökologische Kritik lässt sich nicht darauf reduzieren, ob eine einzelne Rallye das Weltklima messbar verändert. Das tut sie nicht – doch dieses Argument ließe sich bei fast jeder Fahrt anführen. Die Klimakrise entsteht aus der Summe vieler für sich genommen begrenzter Entscheidungen. Dabei wollen wir weder mit erfundenen Zahlen dramatisieren noch die Wirkung kleinreden. Der Charakter der Veranstaltung ist jedoch klar: viele ältere Fahrzeuge ohne moderne Abgasreinigung, dazu An- und Abreisen sowie Begleitfahrten. Hier wird fossile Freizeitmobilität öffentlich inszeniert, und das steht in Spannung zu einer Politik, die für weniger fossile Abhängigkeit, leisere Mobilität und eine stärkere Rolle von Bahn, Bus, Rad und Fußverkehr wirbt.
Man darf deshalb auch fragen, warum sich öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung gerade auf ein solches Format konzentrieren, wo sich die Eifel für Wander-, Rad- und Naturformate ebenso anbietet.
Kulturgut, aber kein Freifahrtschein
Zur Redlichkeit gehört die andere Seite. Historische Fahrzeuge zu bewahren, mit handwerklichem Aufwand zu erhalten und an Technikgeschichte zu erinnern, ist eine legitime Form von Kultur. Kritik an dieser Veranstaltung ist keine Geringschätzung der Menschen, die diese Leidenschaft pflegen. Doch genau hier liegt der entscheidende Unterschied:
Bewahren ist jedoch nicht dasselbe wie die öffentliche Inszenierung im Fahrbetrieb. Ein Fahrzeug in einer Sammlung oder Ausstellung ist etwas anderes als eine beworbene Veranstaltung, bei der viele solcher Fahrzeuge über lange Strecken bewegt werden. Der Begriff „Kulturgut“ ist daher kein Freifahrtschein, der jede ökologische oder politische Frage beantwortet.
Damit bleibt ein ehrlicher Unterschied bestehen, den wir nicht künstlich glätten. Manche in unserer Partei halten eine Rallye mit Verbrennungsmotoren schlicht für nicht mehr zeitgemäß und sagen das deutlich. Andere wollen Raum für die kulturelle Wertschätzung historischer Technik erhalten, ohne sie zum Vorbild für die Mobilität von morgen zu erklären.
Unsere gemeinsame Grundlage bleibt jedoch klar: Die Mobilität der Zukunft muss klimafreundlich, ressourcenschonend, leiser und sozial gerecht werden, unsere Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen muss sinken, und gerade im ländlichen Raum brauchen Menschen bezahlbare Alternativen zum privaten Auto.
Aus dieser gemeinsamen Überzeugung folgt eine klare Haltung – auch ohne einstimmiges Urteil: Eine solche Veranstaltung muss sich heute stärker erklären als früher, und ihre öffentliche Inszenierung darf politisch hinterfragt werden.
Die Rallye „Um den Preis der Ahrquelle“ steht damit für eine größere Frage: Wie viel Vergangenheit darf in einer Zukunft sichtbar bleiben, die anders aussehen muss? Die Vergangenheit darf gesammelt, restauriert, erklärt und mit Begeisterung betrachtet werden. Ihre öffentliche Bühne aber darf an den Zielen gemessen werden, die wir teilen. Diese Spannung müssen wir nicht auflösen. Wir müssen sie ehrlich benennen.

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